Samstag, 22. Juni 2013

Man of Steel

Man of Steel (2013)
Gesehen am 21. Juni 2013 im Kino

Nachdem Marvel ja mit seiner "Phase 1" ziemlich ordentlich vorgelegt hat wird es für DC höchste Zeit, nachzuziehen. Die Dark Knight Trilogie ist ohne Frage ein Meisterwerk, steht aber (wie immer und immer wieder von Nolan und Bale bestätigt) unabhängig. DC ist aber gerade nach dem Erfolg von The Avengers letztes Jahr eindeutig im Zugzwang, und ein Justice League Movie ist ja auch für 2015 angesetzt (genauso wie übrigens auch Avengers 2 - das wird ein wundervolles face-off!). So eine Gruppengeschichte braucht natürlich ordentliche Vorbereitung, denn man muss ja die Grundlage für das jeweilige Universum setzten und etwaige tiefgründige Origin-Stories erzählen.

Stichwort für den ersten Vorbereiter: Man of Steel. Ich weiß nicht, inwiefern man die Dark Trilogie zählen darf, denn Bale wird beim JL-Movie ja definitiv nicht dabei sein (x). Die Review wird einige Spoiler haben, aber die sind dann wieder in anderer Farbe und nur durch markieren sichtbar.

Superman, Clark Kent oder Kal-El, welchen Namen auch immer man verwenden möchte, ist alles andere als meine Lieblingsfigur. Er hat bei mir so ein bisschen den Status von Captain America - hübscher Kerl, Idealist, moralisch, langweilig. Irgendwie einfach zu gut, oder sagen wir perfekt; keine ordentlichen Charakterschwächen oder mysteriöse Seiten. Das ist natürlich allerdings 100% subjektiv und auch keine richtige Kritik an dem Film, sondern sollte euch bloß verdeutlichen, dass meine Erwartungen an den Film alles andere als hoch waren. Aber ich möchte mich nicht schon zu Anfang festquasseln; konzentrieren wir uns erst mal auf den Plot.

Wir eröffnen den Film auf Supermans Heimatplaneten Krypton und lernen, dass dieser kurz vor der Zerstörung steht. Supermans Daddy, Russell Crowe, versucht den Ältestenrat davon zu überzeugen, ihm die Evakuierung und Sicherung der Rasse zu überlassen, wird dabei aber ziemlich gewalttätig und abrupt von seinem früheren Kumpel und Militärleiter General Zod unterbrochen, der einen anderen Plan hat. Russell Crowe hintergeht dann alle neuen Anweisungen, stiehlt den Kodex und schickt seinen neugeborenen Sohn damit in einer Raumkapsel auf den Planeten Erde, bevor er und seine Frau zusammen mit dem Planeten zugrunde gehen. Anschließend sieht man den mittlerweile erwachsenen Clark Kent auf einem Fischerboot wie er Leute von einer explodierenden Bohrinsel rettet. Mit Hilfe diverser Rückblenden bekommen wir erzählt, wie schwer er es hatte, mit seinen speziellen Gaben aufzuwachsen und dass ihm eingebläut wurde, diese auf alle Fällt geheim zu halten, da die Welt noch nicht so weit sei. Er reist dann etwas ziellos herum und stolpert in einer Bar in Kanada über ein paar Militärs, die sich über einen außergewöhnlichen und möglicherweise außerirdischen Fund irgendwo in Alaska oder sonst wo mit viel Schnee und Eis unterhalten. Clark macht sich dorthin natürlich sofort unterwegs.
An der Fundstelle taucht die Reporterin Lois Lane auf, die für die Zeitung Daily Planet einen Bericht schreiben möchte. Natürlich hält sie sich, wie es sich für eine Journalistin gehört, nicht an die Regeln und schnüffelt nachts herum. Dabei folgt sie Clark und gelangt so zu dem Fund: Ein Raumschiff! Dort wird sie von merkwürdiger Krypton-Technologie angegriffen und Clark muss sie retten. Er haut daraufhin mit dem Raumschiff ab und findet alles Notwendige über seine Herkunft heraus.
Lois gibt sich aber nicht zufrieden damit, in einem Raumschiff von einem gut aussehen Fremden gerettet zu werden und stellt Nachforschungen an. Sie findet ihn auch, und die beiden haben sofort eine Verbindung - wie romantisch! Zeit, dieser auf den Grund zu gehen bleibt allerdings nicht, denn ein Ufo bedroht plötzlich den Planeten und fordert die Herausgabe von Kal-El - Clark Kent! Überraschung: Es ist General Zod, und er ist nicht tot. Stattdessen will er Krypton zurückbringen - am liebsten auf die Erde! Clark muss nun eine Entscheidung treffen - für sein Volk oder für die Menschen? Wie wird er sich entscheiden? Dramatischer Trommelwirbel

Ich hatte keine großen Erwartungen, und diese wurden alles andere als übertroffen. Wer schon auf meinem mp-Profil war hat gesehen, dass ich dem Film 6,5 Punkt gegeben habe; nicht unbedingt herausragend. Mit 143 Minuten Laufzeit ist er eine gute Viertelstunde länger als der durchschnittliche Superheldenfilm, kommt allerdings nicht ganz an DK ran (TDKR mit 160 Minuten ist auch echt hart!) Im Gegensatz zu den meisten seiner Gattung zieht sich die Handlung aber leider wie Kaugummi. Abgesehen von der Anfangssequenz auf Krypton kommt im ersten Teil keine Fahrt auf, und der zweite Teil besteht zu 90% aus Kampfszenen mit maximal (sinnloser) Zerstörung. Stimmung kommt sowieso leider während des gesamten Films keine ordentliche auf. Keiner der Schauspieler schafft es leider eine Performance hinzulegen, die einen so richtig in den Bann zieht. Sei es jetzt Henry Cavill, der zwar optisch eine ausgezeichnete Wahl für den Kryptonier, wirkt aber während des ganzen Filmes irgendwie ein wenig...emotionslos? Ich weiß nicht so recht. Amy Adams ist zwar eine super Schauspielerin und gibt sich eindeutig Mühe, aber leider ist sie einfach zu süß für die Rolle. In Verwünscht oder Die Muppets war sie großartig, aber als knallharte Reporterin? Mmmh. Und Michael Shannons General Zod wirkte alles andere als furchteinflößend und erinnerte mich stark an Nero, den Bösewicht in der 2009-Version von Star Trek. Diverse Nebencharaktere bekamen entweder nicht genügend Screentime (Kevin Costner als Jonathan Kent zum Beispiel, total verschenkt!) oder waren bemerkenswert unauffällig.

Durch die relativ lange Einführungsszene auf Krypton bekam man einen detaillierten Eindruck von Supermans Wurzeln, was wirklich interessant war. Problematisch war es allerdings insofern, dass die Fokussierung dadurch zu sehr auf Superman als Kal-El, der Kryptonier, und nicht genug auf Clark Kent, dem "Menschen", lag. Von seinen Adoptiveltern an kurzer Leine gehalten und von seinen Klassenkameraden gemieden und geschnitten fragt man sich zwangsläufig, SPOILER warum Superman sich  für die Rettung der Erde entscheidet und nicht für ein neues Krypton, wo er kein Außenseiter und Freak wäre.

Jetzt habe ich ja bereits erwähnt, dass der Film gerade in der zweiten Hälfte durch extreme, actiongeladene Kampfszenen glänzt. Wenn ich sage glänzt, dann meine ich damit allerdings nichts Positives. Es wirkt zuweilen so als hätte Regisseur Zack Snyder einfach so viel CGI-Effekte wie nur irgend möglich rein gequetscht, und leider waren diese nicht mal sonderlich originell. Ich hätte mal Strichliste führen sollen, wie oft Superman im Kampf mit irgendwem unnötiger Weise durch ein Gebäude fliegt und es dabei komplett in Schutt und Asche legt. Okay, bei einer Alieninvasion geht immer einiges kaputt, aber die Zerstörung war hier einfach viel, viel, viel zu übertrieben und - wie bereits gesagt - fast ausschließlich unnötig. Es war am Ende quasi fast nichts mehr von der Erde da, das es sich zu retten lohnen würde.
Und zum Thema Originalität: Die Angriffsmasken von General Zod & co sahen aus wie typische Aliens, schon x mal gesehen, der Roboter-Typ am Ende, der sich mit Zods Tussi rumtreibt erinnert mich total an den Destroyer in Thor, Zods Raumschiff sieht aus wie eine Billigversion des Schiffs der Romulaner in Star Trek, diese Maschine mit der sie die Erde umwandeln wollen ähnelt ebenfalls dem Bohrer aus Star Trek und an einer Stelle kämpft Superman EINDEUTIG in der Grand Central Station in New York. Das wäre ja keine große Sache, aber sollten die nicht eigentlich in Metropolis sein?

Der nächste Kritikpunkt beinhaltet einen Spoiler zum Ende, also Vorsicht! Nachdem Superman und Zod eine gefühlte Stunde im Zweikampf verbracht haben bricht er ihm einfach das Genick? Zu einfach und irgendwie zu unspektakulär wenn ihr mich fragt.

Eine letzte Kritik habe ich noch, wenn ihr noch dabei seid, und das ist ein Punkt der mich ehrlich geärgert hat: Die Darstellung der weiblichen Charaktere, allen voran Lois Lane.
Jaja, das hier ein typischer Superheldenfilm ist, in dem der Mann der Boss ist und die arme Frau retten muss. Okay, so war es schon immer und es funktioniert ja auch. Richtig? Falsch. Das muss Heutzutage absolut gar nicht mehr sein! Man denke nur mal an Pepper Potts, Peggy Carter, Jane Foster, Natasha Romanoff oder die Lady Sif - alle diese Frauen sind entweder ihres Zeichens eigene Helden und Krieger, oder wenigstens starke, unabhängige Frauen die selbst Dinge auf die Reihe bekommen.
Die Frauen in Man of Steel dagegen... fangen wir an mit Supermans leiblicher Mutter. Alles klar, sie schickt ihren Sohn weg um ihr Volk zu retten. Fair enough, ihr Charakter dient sonst keinem weiteren Zweck und wird verworfen. Russel Crowe dagegen kommt ständig als Geist zurück und leitet seinen Sohn an.
Dann Martha Kent. Sie hat eine schöne Szene in einer Rückblende, allerdings treibt sie den Plot ansonsten auch nicht voran.
Lois Lane fängt an als unabhängige, starke Reporterin. Als die Story dann aber so richtig losgeht muss sie auch nur ständig von Superman gerettet werden; trägt zur Flucht vom Schiff der Feinde auch nur bei weil Russell Crowe es ihr alles erklärt hat und SPOILER schafft es dann nicht mal, dieses komische Stiftchen in die Kapsel zu stecken?! Nein, der alte Forschertyp muss es machen, indem er das Teil etwas zu Recht rückt. Also da kann mir doch keiner erzählen, dass eine eigentlich kompetente Frau das nicht alleine hinbekommen hätte.
Und eine letzte Dame noch: Ganz am Ende (ist kein Spoiler, jedenfalls kein relevanter) trifft Superman den Militärvorsitzenden in der Wüste und die beiden haben eine kurze Konversation. Der Militär hat eine weibliche Offizierin dabei, und man denkt, hofft, sie hat etwas Wichtiges zu sagen oder erfüllt einen sinnvollen Zweck. Aber nein, alles was sie sagen darf ist: "I think he's kinda hot". Wundervoll. Reduziert bloß alle Frauen darauf dass sie Superman heiß finden und sich von ihm retten lassen müssen. Gott bewahre es gibt mal eine selbstständige Frau!

Abschließend muss ich leider sagen, dass der Film meine schlechten Erwartungen erfüllt hat und darüber hinaus noch enttäuschend war. Er konnte mich vom Charakter Superman nicht überzeugen und erweckt keinerlei Vorfreude auf den kommenden Justice League Film.


2 Kommentare:

  1. "Okay, so war es schon immer und es funktioniert ja auch. Richtig? Falsch. Das muss Heutzutage absolut gar nicht mehr sein!" Oh nein, fang du nicht auch noch mit dem ganzen Genderzeug an!
    Ich bin ja auch für Frauen, aber ich find's auch ok, wenn Frauen kleine Schwächlinge sind. Ich kreische auch wenn ich ne Spinne sehe und Dominique muss sie kaputt machen. Er ist der Held, ich das kleine Mädchen das gerettet werden muss. Ich fühle mich wohl mit dem Klischee.

    Aber nichtsdestotrotz: Super Review! Und ein sehr hartes Ende - keine Vorfreude auf den neuen Justice League Film? Diese Worte aus deinem Mund? Wow!

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    1. Mir gehts da ähnlich wie dir was Spinnen und Heuschrecken betrifft, und bin pro starke Männer. Aber wenn Frauen allzu sehr reduziert werden auf kleine Nichtskönner stört mich das. Jane Foster in Thor zB trägt auch quasi nichts zum Gelingen der Mission bei und himmelt auch nur die ganze Zeit Thor an. Aber trotzdem ist sie eigenständig und wird nicht aktiv als unfähig dargestellt, so wie hier zB Lois Lane. Das ist die wahr Sache die mich stört - warum ist die Szene dann überhaupt drin? Und welchen Sinn hatte dieser Kommentar am Ende, von wegen he's hot? Das steht außer Frage, also warum musste das extra erwähnt werden? Weil das das einzige ist worauf Frauen wert legen. Ist doch offensichtlich.

      Und ich hatte ohnehin keine große Vorfreude auf JL. Ein neuer Batman-Schauspieler zB, und inwiefern wird dann überhaupt noch auf TDK eingegangen? Und Ryan Reynolds als Green Lantern war eine Katastrophe, also könnte nur Flash den Karren noch aus dem Dreck ziehen, und naja...darauf möchte ich mich nicht verlassen.

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