Gesehen am 25. April 2013 im Kino
Spoiler zur Geschichte sind am Ende und eindeutig als Solche markiert, ihr könnt die Review also ruhig lesen ohne euch den Spaß zu verderben.
Der Vorteil eines Aufenthaltes in einem englischsprachigen Land: Man kann neue Filme früher sehen! Eine ganze Woche weniger musste ich sehnlichst auf Iron Man 3 warten: England 1, Deutschland 0. Der Plan war, Donnerstagabend direkt reinzugehen und Freitagmorgen meine Review zu schreiben. Jetzt ist es Samstagnachmittag. Was ist passiert?
Ich musste ein wenig nachdenken, wenn ich ehrlich bin. Ich hatte extrem hohe Erwartungen in den Film, und zwar aus mehreren Gründen: Der direkte Vorgänger, also The Avengers, hat mich weggehauen und ich war drei mal im Kino, das ist kein Geheimnis. Der erste Teil war episch, der zweite nicht so, und laut der unausgesprochenen Regel für Trilogien müsste der dritte dann das Versagen des zweiten wettmachen. Richtig? Alleine schon wenn man sich Fluch der Karibik ansieht, oder Indiana Jones dann kann mir hier keiner abstreiten dass die jeweiligen dritten Teile euch vergessen lassen haben, welche Fehler Teil 2 hatte. Und außerdem, Tony Stark! Also von allen "menschlichen" Superhelden die bis jetzt so ihre eigenen Filme bekommen haben ist er ja wohl mit Abstand der Gewinner.
Warum also nicht direkt Donnerstagnacht noch extreme Lobeshymnen auf den Film schwingen fragt ihr? Es tut mir weh, das zu sagen, aber ich war nicht überzeugt. Der Film ist klasse, keine Frage, und es gibt eine Menge Aspekte, die mir absolut gefallen haben. Aber overall war ich nicht mitgerissen, umgehauen oder verzaubert, und ich habe nicht das extreme Bedürfnis, den Film sofort nochmal zu sehen.
Aber fangen wir von vorne an: Die Story! Nach den Events in New York ist Tony Stark nervlich ein bisschen mitgenommen, hat sich aus der Öffentlichkeit so gut er eben kann zurückgezogen und verbringt seine Zeit damit, an seinen Anzügen rumzubasteln. Pepper schmeißt währenddessen die Firma, und wird von einem Ex-Kollegen angesprochen, der Stark Industries für sein Projekt gewinnen möchte. Es handelt sich dabei um Genforschung, und der nette Herr und sein Team haben ein (scheinbar) wirksames Mittel zur Zell-Regenerierung gefunden
Tony Stark, der arrogante, selbstsichere Tony Stark erleidet Angstattacken? Super! Gebt dem Helden mehr Tiefe, zeigt seine Verwundbarkeit! Was mir an ihm schon immer gefallen hat, und auch jetzt noch mehr: Er hat eine gewaltige Charakterentwicklung durchgemacht! Schon im ersten Film vom Playboy mit kompletter whatever-Attitude zu einem bewussteren Menschen der aufhört, nur sich selbst zu sehen und sich auf das Große Ganze fokussierte. Trotzdem hat ihm die Iron Man Sache einen derartigen Ego-Schub gegeben, dass er im zweiten Teil durch seinen bevorstehenden Tod durch Paladiumvergiftung und Nick Fury's Eingreifen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurde. Er wurde sich seiner Gefühle für Pepper bewusst, legte sein Playboydasein ab und ging eine feste Beziehung ein. In Avengers wird er vom Einzelgänger zum Teamplayer und geht sogar soweit, sich selbst zu opfern. Eine derartige Nahtoderfahrung geht an keinem spurlos vorbei, und der Tony in Teil 3 ist gezeichnet von den Erlebnissen. Alpträume, Panikattacken, das ganze Programm. Man sieht Tony von einer unsicheren, verletzlichen Seite, und das macht ihn nur noch sympathischer, bzw menschlicher. Man sieht, wie sehr die Verantwortung der Figur Iron Man ihn doch gerade psychisch belastet und wie er das Tag und Nacht mit sich herumträgt; wunderbar dargestellt in einer Szene in der er den Anzug an einem Seil hinter sich her ziehen muss, weil er nicht mehr funktioniert.
Ebenfalls großartig in diesem Film: Pepper Potts. Es gibt im Marvel-Universum viele weibliche Charaktere, die ich zweifelsohne als fantastisch bezeichnen würde. Pepper ist eine von ihnen, denn sie hat es zu etwas gebracht in ihrem Leben. Sie ist eine Figur die ihre eigene Geschichte hat, die intelligent, selbstbewusst und eigenständig ist und deren Charakter nicht dadurch definiert ist, dass sie Iron Mans Love-Interest ist. Auch in diesem Teil demonstriert sie wieder, dass sie mit Tony absolut auf einer Stufe steht und er sie eindeutig mehr braucht als sie ihn. Die beiden sind mit Abstand mein liebstes Superheldenpaar!
Rhodey macht ebenfalls wieder eine klasse Figur als Tony's Sidekick, auch wenn ihm die Bezeichnung nicht ganz gerecht wird. Denn wie wir auch in Teil 2 schon gesehen haben kann Rhodey auch sehr gut auf sich alleine aufpassen, aber trotzdem geben die beiden ein super Team ab; ganz besonders wenns ums Seite-an-Seite Kämpfen geht.
Mandarin, der Gegenspieler, ist ebenfalls bedrohlich und unberechenbar - wenigstens am Anfang. Hier muss ich kurz spoilern: Seine Rolle als Terrorist aus dem Osten, der mit Bombenanschlägen droht und Videonachrichten sendet ist sehr zeitgemäß und realistisch, aber genau deswegen finde ich es interessant, dass er quasi nur eine Figur ist, hinter der sich der echte Terrorist verbirgt: Ein Weißer. Schön, wenn die Schuld nicht immer den "bösen Terroristen in Asien" zugeschoben wird, gerade auch politisch ein interessantes Statement. Killian konnte die Figur Mandarin erschaffen und sich dahinter verstecken, da es niemand bezweifeln würde, dass ein Asiate Amerika angreifen wollen würde. Und trotzdem fand ich es enttäuschend, als rauskam, dass "Mandarin" nur ein trotteliger pseudo-britischer Schauspieler war. Irgendwie war der Charakter danach nur noch komplett überzogen und hat das Gesamtbild ruiniert (zumindest meiner Meinung nach). Adrich Killian dagegen ist der typische Böse auf Rachefeldzug, aber leider wenig ansprechend und auch nicht gruselig. Erinnerte mich irgendwie an den Lizard im neuen Spiderman. Und auch die Gründe, weshalb er den Mandarin erschaffen hat waren ein wenig wischi-waschi, also lange Rede kurzer Sinn: Die Gegenspieler-Seite hat mich enttäuscht.
Jetzt zu den Dingen, die mir weniger gut gefallen haben.
Was leichtes am Anfang: Beim Hobbit haben sich alle beschwert, die Aufnahmetechnik sei eine neue und alles wäre zu scharf/ zu realistisch: Wie Realitysoaps. Beim Hobbit hat es mich kaum gestört, aber bei Iron Man 3 ist es mir manchmal negativ aufgefallen. Könnte Einbildung sein, aber irgendwie...naja.
Der ganze Extremis-Plot an sich kam mir auch etwas schwach vor und hat mich sehr stark an Amazing Spiderman erinnert, aber Extremis ist scheinbar eine Storyline in den Comics und daher canon, also kann ich dagegen nichts sagen.
Zu den anderen Teilen muss ich jetzt wieder spoilern, Entschuldigung!
Wie ich ja am Anfang erklärt habe finde ich Tony's psychische Probleme super als Storyline für ihn persönlich. Aber die Idee dahinter ist leider besser als die Ausführung tatsächlich gewesen ist. Ab dem Punkt, an dem er in Tennesse ankommt verläuft seine Geschichte relativ uninteressant und schleppend, und leider kann es auch der extrem goldige kleine Junge nicht ordentlich rausreißen. Meiner Meinung nach kann er den extremen inneren Konflikt, die Unsicherheit und die Selbstzweifel die diese Panikattacken auslösen nicht ordentlich rüberbringen. Das ist nicht RDJ's Schuld sondern vielmehr die Art und Weise, wie der ganze Film aufgebaut ist. Er ist einfach zu witzig. Versteht mich nicht falsch, Iron Man basiert auf Humor ebenso sehr wie auf Action, und mir ist auch klar dass Iron Man und Batman sich bloß das Vermögen teilen, nicht den Charakter. Aber der Humor hier wirkte an vielen Stellen zu überzogen und irgendwie nicht passend platziert. Und eine ordentliche Auflösung für das ganze gibts leider auch nicht - irgendwann sind die Panikattacken in den Hintergrund verschwunden. Eine Szene wie zB in Dark Knight Rises, als Bruce aus dem Gefängnis ausbricht, wäre nett gewesen.
Und das Ende an sich war irgendwie auch so eine Sache. Tony sprengt alle seine Anzüge in die Luft und es scheint, als habe er mit dem Iron-Man-Dasein abgeschlossen. Gleichzeitig dazu aber die Aussage, dass er Iron Man ist und es immer sein wird, und das kombiniert mit der Tatsache das wir wissen, dass er in Avengers 2 wieder dabei sein wird ist irgendwie nicht so gelungen. Warum die Anzüge sprengen und der scheinbare Abschluss mit seinem Sperheldenleben wenn es gar nicht der Fall ist? Okay, es ist der letzte Teil der Trilogie, man braucht ein Ende. Aber begeistert bin ich trotzdem nicht.
Es ist schwierig für mich, den Film zu bewerten. Ich kann nicht genau sagen, was es ist, das mir nicht richtig gefallen hat. Ich bin auch ziemlich überzeugt davon, dass ich mit meiner Meinung relativ alleine dastehen werde, denn es ist nun mal Iron Man. Ich werde den Film nochmal schauen (aber nicht im Kino) und dann meine Meinung vielleicht ändern, aber zumindest beim ersten Mal schauen hat mir irgendetwas gefehlt. Trotzdem will ich keinem ausreden, unbedingt reinzugehen! Es ist Iron Man, verdammt nochmal! Aber schraubt eure Erwartungen vielleicht ein kleines bisschen runter, dann könnt ihr den Film umso mehr genießen.
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