Samstag, 6. April 2013

Cloud Atlas - David Mitchell

Cloud Atlas
Gelesen vom 01. März bis 05. April 2013

~15 Seiten am Tag, aber man muss mir zu Gute halten, dass ich ja auch den wohl stressigsten Monat ever hatte. Und außerdem habe ich ja neulich erst den Film gesehen, also wusste ich von vornherein, was passiert. Wer inhaltliche Informationen haben möchte weil er meine Review zum Film nicht gelesen hat, sollte das unbedingt hier nachholen, denn das ich ausführlich genug. Prinzipiell ist das Geschehen nicht groß verändert worden, abgesehen von ein paar Schauplätzen. Bspw. spielt die Storyline des schwulen Komponisten nicht in Schottland sondern Belgien usw., aber das tut der Handlung keinen Abbruch sondern dient eher einen anderen Zweck - dazu später mehr.

Was mich an dem Buch am meisten begeistert hat war die Aufteilung bzw. der Schreibstil. Die 6 verschiedenen Geschichten waren nicht wie im Film in endlos viele kleine Ausschnitte gesplittet, sondern jeweils in der Hälfte geteilt. Naja, alle bis auf die post-apokalyptische, die ist in der Mitte als Ganzes, bevor die Reihenfolge sich dann rückwärts fortsetzt. Man muss sich das also so vorstellen: 1 2 3 4 5 6 5 4 3 2 1. Der einzige offensichtliche Bezug, den die einzelnen Teile dabei aufeinander nehmen, ist die Tatsache, dass das jeweils vorrangegangene Werk vom aktuellen Protagonisten gelesen wird. So findet bspw. Frobischer (der Komponist) das Reiseragebuch von Adam Ewing, Luisa Rey liest die Briefe von Frobisher an Sixsmith, Cavendish liest den Roman über Luisa Reys Abenteuer usw. - aber alle haben jeweils immer nur Zugriff auf die erste Hälfte. In der jeweils zweiten Hälfte der Storyline taucht dann die Fortsetzung auf, was auch die rückwärtslaufende Reihenfolge erklärt. Kompliziert, aber klug, denn man fühlt sich als Leser dadurch eher eingebunden.

Dann zum Schreibstil: Umwerfend! Die 6 verschiedenen Handlungen spielen ja offensichtlich in 6 verschiedenen Zeiten. Das ist allerdings nicht der Hauptunterschied: Zwar handelt es sich bei allen um Schriftstücke, aber Adam Ewings Geschichte ist ein Tagebuch, Frobisher schreibt Briefe, Luisa Reys Geschichte ist ein Kriminalroman, Cavendishs eine Autobiografie, die mit den Klonen ein Interview und das post-apokalyptische eine Geschichte, die ein alter Mann seinen Enkeln erzählt. Und genauso ist der jeweilige Teil auch geschrieben. Wer schon mal zB Dracula gelesen hat, oder Sherlock Holmes, oder irgendwas aus der Zeit kennt diese Tagebuch-Schreibweise. Irgendwie nicht ganz realistisch weil zu detailliert, aber ebenfalls voll von Banalitäten, persönlichen Eindrücken und Meinungen; ein Tagebuch eben. Unter Briefen sollte sich jeder was vorstellen können; der Kriminalromanteil ist sehr prägnant und kurz gehalten, mit kurzen Kapiteln die mehr an Filmszenen erinnern. Die Memoiren sind dagegen ausschweifend und brechen quasi die vierte Wand, also sprechen den Leser aktiv an (wir haben mal im Englisch LK darüber gesprochen aber ich hab vergessen, wies heißt - Lis, weißt dus noch?), und so weiter und so fort. Dabei sind es auch Kleinigkeiten, die in der Erzählweise verändert wurden und es dadurch tatsächlich so wirken lassen, als hätten alle 6 Geschichten unterschiedliche Autoren, und nicht bloß den einen. Beeindruckend, wirklich beeindruckend, und alleine deswegen extrem lohnenswert!

Was die mysteriösen Widergeburts-Zusammenhänge betrifft, die ja im Film so toll durch die gleichen Schauspieler in unterschiedlichen Zeiten dargestellt wurden: Das ist im Buch viel weniger offensichtlich. Anstatt eine große Nummer drauß zu machen haben die Charaktere hier bloß manchmal ein komisches Gefühl, wenn sie mit Objekten der Vergangenheit in Verbindung kommen, und alle haben eben das gleiche Muttermal irgendwo am Körper, aber das wars dann auch. Das ist ganz schön, denn dadurch hatte ich weniger den Eindruck, das Buch wollte dem Leser gewaltsam etwas mitteilen und ich habe ein essentielles Element verpasst und verstehe es deswegen nicht richtig. Und in diesem Zusammenhang auch meine Theorie, weshalb manche Schauplätze geändert worden: Ganz einfach um einen offensichtlicheren Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Storys zu etablieren. So ist beispielweise das Altenheim im Film das gleiche Haus, in das Frobisher zieht um für Vyvyan Ayers zu arbeiten. Ayers wird zB auch vom gleichen Schauspieler gespielt wird wie Cavendish, der ins Altenheim abgeschoben wird - Kontinuität. Oder Jim Sturgess spielt beides Mal einen Mann, der sich gegen die Unterdrückung verschiedener Gruppierungen auflehnt - einmal als Adam Ewing und dann bei den Klonen. Im Buch kann man das natürlich nicht so deutlich machen, denn hey - keine Schauspieler. Aber durch die Unterschwelligen Andeutungen wird einem die Widergeburtssache nicht so ins Gesicht geworfen und man wundert sich viel eher über die kleinen Details: Ist das jetzt ein Hinweis, oder...?

Abschließend kann ich das Buch also nur empfehlen, selbstverständlich mehr als den Film denn hallo - es ist ein Buch!, aber auch weil das Lesen nicht bloß wegen der Geschichte Spaß macht. Wie der Film auch ziehen einen nicht die einzelnen Geschehnisse in den Bann, sondern vielmehr die Art und Weise der Erzählung. Man sollte also tatsächlich am besten beides lesen/schauen, aber natürlich zuerst das Buch.

Zuletzt: Stardust

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