Sonntag, 13. Oktober 2013

Ich bin dann mal weg - Hape Kerkeling

Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg
Gelesen vom 03. bis 12. Oktober 2013

Wärmsten von meiner Oma empfohlen, und erstaunlich schnell gelesen mit etwa 34 Seiten am Tag - Hape Kerkelings Reiseroman ist das erste non-fiction Werk das ich hier review-e. In Namen steckt eigentlich alles drin, was man über den Inhalt wissen muss: Hape Kerkeling, der bekannte deutsche Komiker, pilgert den Jakobsweg und berichtet über seine Erfahrungen und Eindrücke.

Besonders großartig finde ich Hape jetzt ja nicht unbedingt, besonders sein Horst Schlämmer geht mir gehörig auf die Nerven - aber Talent hat der Kerl nichts desto trotz. Das er gläubig ist wusste ich bis dato noch nicht. Ist aber auch kein Wunder, da ich mich ja auch noch nie großartig mit ihm beschäftigt habe. Skeptisch war ich wegen besagter Gründe also ein wenig, aber da ich weder direkt Lust hatte, A Clash of Kings endlich zu beenden, noch meinen neuen Neil Gaiman zur Hand hatte, gab ich dem Buch eine Chance.

Schreibstiltechnisch ist es wirklich angenehm zu lesen. Manchmal sind die Sätze etwas kurz und abgehackt, das stört den Lesefluss hier und da, sollte allerdings sicher als stilistisches Mittel absichtlich so eingesetzt werden. Hm.
Gegliedert ist das Buch in einzelne Wegabschnitte. Ein Kapitel beginnt immer mit einer Etappe und endet auch mit ihr, was dem Leser zuweilen den Eindruck vermittelt, gerade selbst unterwegs zu sein. Langschaftsbeschreibungen sind sehr anschaulich, und auch die Atmosphäre wird super vermittelt. Besonders gefallen hat mir dabei, dass Hape Kerkeling durchaus zu seinen Schwächen steht - ein, zwei Mal nimmt er den Bus, weil ihm die Füße zu weh tun oder weil er gerade ein Stimmungstief hat. Das regt an zum Mitfühlen und macht das ganze realitätsnaher. Wer liest schon gerne einen ständig-optimistischen, niemals-aufgebenden Gute-Laune-Pilgerbericht? Was ich damit meine ist, dass man nicht den Eindruck bekommt, die Reise wird künstlich beschönigt oder katastrophale Zustände werden heruntergespielt. Bei den meisten Lesern wird es sich wohl um Durchschnittsdeutsche handeln, und die brauchen nun mal einen gewissen Komfort und Luxus, wie Hape auch.

Seine unterschiedlichen Bekanntschaften während der Pilgertour sind ebenfalls sehr interessant und vielseitig. Gegen Ende des Buches allerdings wird es deswegen allerdings etwas knapper und nicht mehr so detailiert wie zwischendurch. Das hat damit zu tun, dass es sich bei dem Rohmaterial um ein Reisetagebuch handelte, und er am Ende der Reise kaum noch Zeit hatte, dieses zu führen, weil er so mit seinen Mitreisenden beschäftigt war. Man kommt also doch sehr plötzlich in Santiago de Compostela an und das Ende ist sehr abrupt.
Ein weiterer Nachteil dieser Tagebuch-Gedankengeschichte sind die zuweilen auftretenden, leicht chaotischen Gedankensprünge oder Erklärungen. Manchmal schweift er etwas ab und erzählt Geschichten von wer-weiß-wann oder versucht mehr oder weniger erfolgreich, komplexe Eindrücke oder Erkenntnisse zu erklären. Es fällt dann ab und zu nicht so leicht, da durchzusteigen und die Quintessenz seiner Ausführungen zu erkennen.

Spirituell hat mich das Buch - vielleicht gerade deswegen - nicht beflügelt. Viele seiner Feststellungen sind etwas wirr oder vage, und wie genau ihm Gottes Gegenwart erneut klar wurde erklärt er auch nicht ("zu persönlich"). Aber trotzdem habe ich seine Reise mit Freude verfolgt, und ein bisschen neidisch hat sie mich auch gemacht. Leider bin ich aber nicht so wortgewandt wie der gute Herr Kerkeling und habe auch nicht das nötige Kleingeld, eine deratige Reise mal eben zu starten. Der Jakobsweg wird also weiter ein netter Traum bleiben.

2 Kommentare:

  1. Das Buch hat mich noch nie gereizt. Hape Kerkeling hat schon ein paar ganz nette Sachen gemacht, insgesamt ist es aber nicht so mein Ding.
    Und von der spirituellen Seite her komme ich da eh nicht so ganz mit. Ok, man hat viel Zeit zum nachdenken. Aber das habe ich auch in der Badewanne oder an einem Wellnesswochenende. Irgendwie ist wandern für mich wandern. Also... ich finde es super, wenn man das durchzieht und das macht, aber nicht aus spirituellen Gesichtspunkten sondern weil man seinem Körper was gutes damit tut und mal abschaltet.
    Andererseits kann ich da vielleicht ja auch gar nicht so recht mitreden.

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    1. Sag das mal nicht. Viele Leute wandern den Jakobsweg ja auch, um zu wandern, und nicht zwangsweise "um Gott zu finden". Und ungefähr einen Monat mehr oder weniger alleine herumzuwandern, von morgens bis abends - das ist sicher eine intensive Erfahrung.

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