Dienstag, 15. Oktober 2013

Rush

Rush
Gesehen am 11. Oktober 2013 im Kino

Unglaublich, zwei mal non-fiction hintereinander! Bei solchen "wahren" Geschichten, die auf historisch belegbaren Geschehnissen basieren ist durchaus immer etwas etwas Spielraum einzuräumen was die tatsächliche Realität betrifft. Allerdings ist das hier dargestellte "erst" um die 40 Jahre her, und wenigstens einer der beiden Hauptfiguren lebt noch.

Rush ist ein Film über die Formel 1 Fahrer James Hunt, gespielt von Chris Hemsworth, und Niki Lauda, gespielt von Daniel Brühl. Den Österreicher Lauda wenigstens sollte jeder kennen, der schonmal irgendwie im deutschen Fernsehen Formel 1 geschaut hat, denn er ist der mit narbigen Gesicht und dem halben Ohr, der immer die schlauen Kenner-Kommentare abgibt. Beide jedenfalls waren Rivalen und kämpften in den 1970er Jahren um den Weltmeistertitel im Rennsport: Einer als Österreich bei Ferrari und einer aus England bei McLaren. Haupt-Aufhänger ist dabei Niki Laudas spektakulärer und lebensgefährlicher Unfall 1976 auf dem Nürburgring, als er von der regennassen Fahrbahn abkommt, sich überschlägt und sein Wagen, mit ihm noch darin eingesperrt, Feuer fängt.

Direkt zu Anfang des Film werden wir darauf hingewiesen, dass sie Rivalität zwischen beiden Fahrern von der Presse übertrieben dargestellt wurde und ein größerer Hehl daraus gemacht wurde, als wirklich wahr war. Aber über den Film verteilt werden die beiden auch nur selten in tatsächlicher Interaktion gezeigt, und eine Todfeindschaft wird auch nicht unbedingt suggeriert. Vielmehr werden die Leben und Hintergründe der beiden Figuren eindrucksvoll beleuchtet; die Beweggründe, Chrakterschwächen und Antriebsmotive erklärt und dargestellt. Besonders gelungen ist dabei, dass keiner der beiden Charaktere auf den ersten Blick besonders sympathisch wirkt, und auch auf den zweiten nicht. Keiner wird hier als der Böse oder der Gute abgestempelt; stattdessen werden beide mit einer unschönen Härte abgebildet, die nichts mit Zucker überzieht. Gerade das ist es, was mich als Zuschauer besonders angesprochen hat, denn dadurch wurde das ganze lebensecht. Keiner ist einseitig böse oder gut, vielmehr hat jeder Schwächen und versucht, seinen Platz zu finden und die fünf Minuten Ruhm, die er ergattern kann, festzuhalten.

Obwohl es es Rennfahrerfilm ist stehen nicht die Autos, sondern die Fahrer im Vordergrund. Und auch nur diese beiden - alles und alle anderen werden in den Hintergrund gedrängt. Die lobenswerte Vielschichtigkeit der beiden Protagonisten fehlt leider bei sämtlichen Nebenfiguren gänzlich, was besonders bei Niki Laudas Frau, gespielt von Alexandra Maria Lara, zu bedauern ist. Olivia Wilde in der Rolle von Suzy Miller, zeitweilige Frau von James Hunt, hat da ein klein wenig mehr Spielraum als ihre Kollegin, kommt aber trotzdem etwas kurz. Natalie Dormer ist völlig verschenkt in ihrer Rolle als Krankenschwester, mit gefühlten 5 Minuten Screentime. Schade eigentlich; ich mag sie.

Filmerisch ist Rush durchaus gelungen. Die Bilder sind eindrucksvoll und die Atmosphäre teilweise verdammt spannend. Bei der Formel 1 wird nunmal hauptsächlich eine Ewigkeit im Kreis gefahren - um das auf Dauer ansprechend auch für nicht-Fans zu inszenieren braucht es eben abwechslungsreiche Aufnahmen und ein Art und Weise, die das Gefühl vermittelt, mitten drin statt nur dabei zu sein.

Meiner Meinung nach ein gelungenes Tribut an zwei Rennfahrerlegenden, und eine extrem nervenaufreibende Geschichtsstunde über eine Zeit, in der man als Formel 1 Fahrer noch regelmäßig sein Leben riskiert hat.

2 Kommentare:

  1. Witzig eigentlich, dass Niki Lauda mal ein Interview über seinen spektakulären grauenhaften Unfall halten sollte. Das Interview fand direkt an der Unfallstelle statt. Niki Lauda hat vorher vom Frühstücksbuffet seines Hotels einen Vanillekipferl mitgenommen und auf die Wiese gelegt. Noch bevor die Interviewerin richtig angefangen hat, meinte er "oh! Warten Sie mal! Was ist denn das?" hob den Kipferl auf und tat so, als sei es sein Ohr.
    Die Interviewerin war wohl total perplex und kam gar nicht mehr klar und keiner konnte mit seinem Humor umgehen.

    Super Story finde ich. :D
    Bin aber trotz deiner insgesamt sehr positiven (und wie immer großartig geschriebenen) Review nicht sicher, ob ich ihn sehen will.. irgendwie nicht so ganz mein Interessensgebiet und die Schauspieler hauen mich auch nicht um. Hab aber eine MP Prognose von 7,5.... vielleicht also doch? Mal sehen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das stimmt allerdings! Großartige Geschichte.

      Ich finde, du solltest dir den Film durchaus ansehen, damit wir anschließend darüber diskutieren können!

      Löschen