Sonntag, 17. Februar 2013

The Mists of Avalon - Marion Zimmer Bradley

The Mists of Avalon
Gelesen vom 8. Januar bis zum 16. Februar 2013

Eins will ich gleich vorweg sagen: Ich neige ja gerne mal zu Phasen spontaner und absoluter Besessenheit was Bücher, Filme oder Fernsehserien betrifft. In solchen sauge ich dann bekanntlich jeden Fitzel an Material auf, rede von und denke an nichts anderes und übertreibe maßlos bezüglich der Genialität des jeweiligen Werkes. Für jeden der mich einigermaßen kennt ist das nichts Neues. Meistens also, wenn ich Sachen sage wie: "Woooa, das ist mein absoluter Lieblingsfilm/-buch/-Serie, nichts besseres existiert!" dann ist jedem klar, dass es zwar vermutlich gut ist, aber es durchaus bessere Dinge gibt. Warum habe ich das jetzt geschrieben? Naja, ich musste deutlich machen, dass mir durchaus bewusst ist, dass ich zu Übertreibungen diesbezüglich neige. Aber Mists of Avalon ist, bis jetzt, das beste Buch was ich jemals gelesen habe. Warum könnt ihr euch auf diese Aussage verlassen und sie nicht als temporäre Obsession verwerfen? Ich werde das erläutern.

Erst mal aber generelle Informationen zum Plot, für alle die es nicht kennen (also alle außer Laura G? Bitte verbessert mich?). Mists of Avalon ist, grob zusammengefasst, eine Nacherzählung der Artussage aus der Perspektive von Morgan/Morgana/Morgaine (je nachdem) le Fay. Mit der Artussage kann hier hoffentlich jeder wenigstens grob was anfangen, ja? König Artus? Merlin? Guinevere und Lancelot? Wie der Name schon sagt, SAGE, und die Person König Artus hat vermutlich auch nie als solche Existiert, aber was Englische Legenden- und Sagenwelt betrifft ist das ne ziemlich große Sache. In meinem Kopf ist es irgendwie mit der Nibelungensage gleichgestellt, warum genau weiß ich nicht. Anyway, zurück zum Thema: 5./6. Jhd. England: Das Land hängt in den Seilen und Chaos herrscht zwischen den verschiedenen kleineren Königreichen, und darüber hinaus spaltet auch die beginnende Christianisierung das Volk, das ja bis dahin vor allem aus Kelten bestand. Um die Ecke kommt Uther, erledigt die grobe Beseitigung des Chaos und bereitet den Weg für seinen Sohn Arthur, der das Land schließlich vereint, die bösen Sachsen besiegt und dann sogar christianisiert und mitspielen lässt. Arthur hat seine Tafelrunde, sein Camelot, seine Ritterlein und seine Frau Guinevere. Die mag allerdings Lancelot lieber als ihren König, also gibts dahingehend schon mal Probleme, außerdem kann sie keine Kinder kriegen. Arthur hat allerdings schon ein Kind von seiner Halbschwester Morgaine (und bevor ihr jetzt aufschreit: Die hatten sich nicht gesehen seit die kleine Kiddies waren und es war im Rahmen einer magischen Zeremonie, also kann man denen eigentlich nichts vorwerfen. Und sobald es denen auffällt sind sie komplett panisch und so, also alles cool), das, nach dem es herangewachsen ist, seine Vater umbringt und das Land erneut in Chaos verfällt. Mein grobes erzählen wird der Sage jetzt alles andere als gerecht, aber ein Überblick muss sein.

Zugegebener maßen wusste ich bis ca.  Ende September auch nicht mehr von der Artussage als dass es einen King Arthur und eine Zauberer Merlin gibt - ich habe den Film mit Sam Neill mal gesehen, glaube ich, aber selbst die Disneyverfilmung habe ich nie gesehen. Dann war plötzlich der erste Teil der siebten Staffel von Doctor Who rum, und samstags abends lief auf BBC 1 die 5. Staffel Merlin an. Ich hatte schon mal die eine oder andere Folge gesehen, und dachte mir: Ei komm, ist bestimmt cool. Also hab ich, wie sich das gehört, innerhalb von 2(?) Wochen alle 4 vorherigen Staffeln angeschaut, um up to date zu sein. Perfektes Beispiel für temporäre Obsession, die allerdings immer noch andauert...naja, was Neues kommt sicher bald. Aber mein Interesse an der Sage war geweckt, und Zusatzmaterial musste her. Und dann ist mir eingefallen, dass ich bei Lau mal Die Nebel von Avalon im Regal hab stehen sehen, und nach dem durchlesen des Klappentextes (Hallo? Nacherzählung aus Sicht der Gegenspielerin? Was will ich mehr?!) wusste ich, das Buch muss her. Gesagt, getan: Gekauft und auf den Nachttisch gelegt, die ersten 20 Seiten gelesen, und dann habe ich erst mal 3 andere Bücher gelesen. Okay, die hatten nur jeweils 500 Seiten und relativ große Schrift, und es waren solche, die man in einem durch lesen konnte. Aber Es hat mich nun mal nicht sofort komplett eingefangen. Richtig angefangen zu lesen habe ich eigentlich erst ab dem 22 Januar, würde ich sagen. Und je mehr ich gelesen habe, desto mehr hat es mich umgehauen.

Es war kein Buch wie eine Droge, dass dich mitreißt und wo man den ganzen Tag an nichts anderes denken kann als an das Buch und man am liebsten jede freie Minute mit Lesen verbringen möchte (zumindest nicht am Anfang). Es ist auch nicht schön, es ist echt.

Es erzählt die Geschichte eines Zeitalters aus den Perspektiven von 6 Frauen: Igraine, aufgewachsen in Avalon und früh verheiratet mit dem viel älteren Gorlois, König von Cornwall, die sich gerade mit ihrem Leben abgefunden hat als man ihr verkündet, dass sie stattdessen Uther einen Sohn gebären soll, der der nächste Hochkönig über Großbritannien wird. Viviane, Lady of the Lake, Hohepriesterin in Avalon, die im Hintergrund die Fäden spinnt und ihr Lebenswerk nicht beenden kann. Guinevere (oder Gwenhyfar), christlich erzogen in einem Kloster, die sich in den jungen Lancelot verliebt und dann mit dem Hochkönig Arthur verheiratet wird, die ihr ganzes Leben in Elend verbringt, gefangen in ihren christlichen Idealen und ihrer sündigen Liebe für Lancelot.  Morgause, ehrgeizige und gerissene Schwester Igraines, die vor allem anderen ihre eigenen Interessen durchsetzt. Niniane, Tochter des Merlins die nach Morgaines Flucht und Vivians Tod die Position der Lady of the Lake einnehmen muss obwohl sie nicht ansatzweise geschaffen ist, sie zu füllen. Und Morgaine, Tochter von Igraine und Gorlois, die nach der Geburt ihres Bruders Arthur für ihre Mutter nur noch zweitrangig ist, die ihre Kindheit damit verbringt, sich um ihren Bruder zu kümmern bis sie von Viviane nach Avalon gebracht wird und dort als Priesterin erzogen wird. Morgaine, die unwissend um seine Identität ein Kind mit ihrem eigenen Halbbruder zeugt, die vor dem Verrat Vivians aus Avalon flieht und bei ihrer Tante Morgause unterkommt, bevor sie Jahre später am Hofe Arthurs Kammerfrau Guinevers wird. Morgaine, die vor ihrem Schicksal davon läuft und erst viel zu spät merkt, dass es einen Plan gab, der größer war als sie und die dann mit Leibeskräften versucht, Avalon zu retten und Vivians Werk fortzusetzen. Eine Frau, die ihr ganzes Leben gekämpft hat: Für Anerkennung ihrer Mutter, gegen Guinevere, die ihr ihren Bruder und ihren heimlichen Geliebten Lancelot genommen hat, für ihren Glauben, ihre Bestimmung und ihr eigenes Glück.
Ein Buch über Frauen und ihre Schicksale, ihr Leben und ihre Entscheidungen.
Ein Buch über Religionen, dass zeigt, dass es kein richtig oder falsch gibt, bloß die menschengemachten Regeln und Gesetze und solche, die sich ihr Leben sowohl mit als auch ohne oder eben durch Religion zur Hölle machen.
Ein Buch über Politik und das Pläneschmieden, über Intrigen und Verrat und darüber, dass es nie so wird, wie es soll, und man manchmal alles tun kann und den Ausgang trotzdem nicht verändert.

Wenn ich das Buch in einem Wort beschreiben sollte, könnte ich es nicht. Es ist stark, tiefgründig, hart und herzlos; es regt zum Nachdenken an und berührt, es fesselt auf eine völlig andere Art und Weise, und es macht mich schlicht und einfach sprachlos. Es ließ mich mitleiden und mit fiebern und gab mit trotzdem Luft zum atmen. Als ich es zu Ende gelesen habe musste ich es einfach eine Weile festhalten und weinen, und ich kann nicht mal sagen, warum. Es hat mich einfach auf eine neue Art berührt, eine Art, die ich noch nicht kannte. Wenn ich lese bin ich entweder für eine Weile komplett und absolut gefangen, besessen fast, und kann an nichts denken als das Buch. Oder ich lese weil ich die Geschichte nett finde, oder weil man das eben mal gelesen habe sollte, oder weil ich jetzt eben angefangen habe und nicht einfach aufhören will. Aber noch nie vorher hatte ich ein derartiges Gefühl nach dem Lesen eines Buchs. Und deswegen kann ich eindeutig sagen, dass es nicht eine dieser typischen Phasen ist, und dass ich das Buch nicht grundlos über den grünen Klee loben. Wenn ich für den Rest meines Lebens nur noch ein Buch besitzen dürfte, dann wäre es dieses. Und nein, damit stelle ist es nicht über Harry Potter, schon alleine, weil man beides nicht miteinander vergleichen kann.

Das war also meine endlos lange Ode an Mists of Avalon. Wenn ihr wirklich alles gelesen habt bin ich begeistert und dankbar - wie immer eigentlich - und hoffe, ich konnte euch inspirieren. Von ganzen Herzen empfehle ich das Buch für alle, besonders alle Frauen (ich denke ohnehin nicht, das die männlichen Leser sich durch meine Reviews quälen), Fantasy-Liebhaber und solche, die nicht nur Fluff und "schöne" Geschichten lesen, sondern den Wert in Büchern erkennen, in denen jeder (aber auch wirklich jeder) stirbt.

Fünf von fünf Sternen, aber ich denke, es war fast überflüssig das noch zu erwähnen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen