Cloud Atlas
Gesehen am 23.02.2013 im Kino
Schwierig.
Schwierig, schwierig, schwierig. Hin und wieder sieht man einen Film,
den man einfach nicht richtig bewerten kann, weil er gleichzeitig
irgendwie gut aber auch irgendwie nicht gut ist. Cloud Atlas ist so ein
Film für mich. Ich versuche mal, das verständlich zu erklären.
Wie
immer, erst mal zum Plot. In dem Film laufen 6 verschiedene
Erzählstränge nebeneinander ab. Die erste spielt 1849; ein frisch
verlobter reicher Sohn, Adam Ewing (Jim Sturgess), reist mit dem Schiff
über den Pazifik, wird dabei schwer krank und sein Leben wird am Ende
von einem schwarzen Ex-Sklaven gerettet. 1936: Ein junger, schwuler
Komponist, Robert Frobisher (Ben Wishaw), lässt seine große Liebe Rufus
Sixsmith in Cambridge zurück um in Edinburgh bei einem alten, gefeierten
zu lernen, schreibt das Stück seines Lebens (Cloud Atlas) und erschießt
sich. 1973: Die junge Journalistin Luisa Rey (Halle Berry) gerät in San
Francisco eine Reaktor-vs-Öl-Verschwörung, und lässt fast ihr Leben bei
dem Versuch, diese aufzudecken. 2012: Der alte Verleger Timothy
Cavendish (Jim Broadbent) hat Geldprobleme und wird darauf hin von
seinem Bruder in ein Altenheim eingesperrt, aus dem er mit Hilfe drei
anderer schließlich flieht. 2144: Klon Sonmi~451 bricht aus ihrem
Klon-Dasein aus und wird Teil einer Rebellion, die für die Rechte der
Klone kämpfen. Und letztendlich im 106. post-apokalyptischen Winter:
Eine Botschafterin des Technik-Volkes versucht mit Hilfe eines
Inselbewohners (Tom Hanks) den "heiligen Berg" zu erklimmen, auf dem
sich eine Kommunikationsstation befindet mit der sie nach Hilfe von
außerirdischen Kolonien senden will um die Bewohner der vertrahlten Erde
zu retten.
Klingt jetzt erstmal ziemlich wahlos, aber
natürlich sind diese Storylines alle miteinander verknüpft. Der
Komponist bspw liest während seiner Zeit in Edinburgh das Reisetagebuch
Adam Ewings. Luisa Rey trifft Rufus Sixsmith und gelangt so an
Frobishers Briefe an ihn; außerdem hört sie das Stück "Cloud Atlas".
Cavendish setzt seine Arbeit als Verleger nach der Flucht fort, und
verlegt, nachdem er seine eigene Geschichte als Film heraus gebracht
hat, ein Buch über den Reaktor-Zwischenfall aus 1973. Der Film wiederum
wird von Sonmi in 2144 gesehen und eine Stelle daraus inspiriert sie zur
Rebellion, und ihre Person wird von dem Inselvolk in der Zukunft als
Göttin verehrt.
Aber der echte Clou kommt erst noch:
Diverse Rollen werden von den gleichen Schauspielern gespielt und damit
wird quasi impliziert, dass wir alle nicht nur ein Leben leben, sondern
viele. Und diese Leben sind alle miteinander verknüpft. So treffen sich
bespielsweise Tom Hanks (ua ein Mitarbeiter der Reaktorfirma und der
Inselbewohner in der Post-Apokalypse) und Halle Berry (Luisa Rey und die
von den Technik-Leuten), usw. Ihr könnt euch das sicher vorstellen.
Der
Film spielt also eindeutig mit der ganzen Wiedergeburt-Idee, und auch
ein bisschen mit Karma, würde ich sagen, wenn auch in einer
abgewandelten Form. Die einzelnen Geschichten sind als solche spannend
(und wer mich kennt würd sich auch denken können, welche ich am liebsten
mochte. Ratet los, und der Gewinner kriegt einen Keks. Lisa, du zählst
nicht, for obvious reasons), auch wenn es das alles schon öfter gegeben
hat. Aber so miteinander verknüpft funktioniert es ganz gut, auch wenn
man am Anfang eine ganz schöne Zeit braucht, um rein zu kommen. Während
des Films, und auch danach, hatte ich das Gefühl, einen wirklich guten
Film zu sehen/gesehen zu haben, der auch total eine Bedeutung hatte.
Aber so im Nachhinein denke ich mir immer mehr, dass da irgendwas
gefehlt hat. Es gab keine ordentliche Erklärung für das
Wiedergeburten-Phänomen, aber der Film wirkte trotzdem zu tiefgründig,
um einfach nur wahllos ein paar Geschichten erzählen zu wollen (wie bspw
New York I Love You). Irgendwas hat mir da gefehlt, und das war sehr
frustierend. Vielleicht bin ich aber auch einfach nicht intelligent oder
was auch immer genug um das zu verstehen? Mmmh.
Was
allerdings ganz besonders beeindruckt hat war das Makeup und die
Kostüme. Macht euch ruhig mal die Mühe und schaut auf der imdb-Seite,
wie viele verschiedene Rollen gerade Tom Hanks oder Halle Berry spielen.
Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass man bei den meisten
Charakteren zwei bis drei mal hinschauen musste, bevor auffiel, dass das
ja schon wieder Hugo Weaving ist, bloß neu verkleidet. Im Abspann wird
dann jeder Schauspieler in allen Rollen nochmal gezeigt, und das war ein
besonderer Spaß für Katie und mich. "Oh, guck mal, das war er auch! Das
auch! Und wow, sogar die Frau!"
Für eine deutsche
Produktion jedenfalls war der Film erste Klasse, und ich würde ihn
durchaus weiterempfehlen. Man muss eben die Art mögen, und man darf
nicht darauf aus sein, einfach sein Hirn auszuschalten und sinnlos
irgendwas zu schauen. Oh, und Tom Hanks war gut in allen Rollen, und
dabei mag ich ihn nicht mal, das sagt ja auch was aus. Jetzt würde ich
gerne noch eine Petition unterzeichnen, diese eine meine
lieblings-Storyline mit genau den gleichen Schauspielern als kompletten
Film raus zu bringen und ich wäre glücklich.
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