Sonntag, 24. Februar 2013

Cloud Atlas

Cloud Atlas
Gesehen am 23.02.2013 im Kino

Schwierig. Schwierig, schwierig, schwierig. Hin und wieder sieht man einen Film, den man einfach nicht richtig bewerten kann, weil er gleichzeitig irgendwie gut aber auch irgendwie nicht gut ist. Cloud Atlas ist so ein Film für mich. Ich versuche mal, das verständlich zu erklären.

Wie immer, erst mal zum Plot. In dem Film laufen 6 verschiedene Erzählstränge nebeneinander ab. Die erste spielt 1849; ein frisch verlobter reicher Sohn, Adam Ewing (Jim Sturgess), reist mit dem Schiff über den Pazifik, wird dabei schwer krank und sein Leben wird am Ende von einem schwarzen Ex-Sklaven gerettet. 1936: Ein junger, schwuler Komponist, Robert Frobisher (Ben Wishaw), lässt seine große Liebe Rufus Sixsmith in Cambridge zurück um in Edinburgh bei einem alten, gefeierten zu lernen, schreibt das Stück seines Lebens (Cloud Atlas) und erschießt sich. 1973: Die junge Journalistin Luisa Rey (Halle Berry) gerät in San Francisco eine Reaktor-vs-Öl-Verschwörung, und lässt fast ihr Leben bei dem Versuch, diese aufzudecken. 2012: Der alte Verleger Timothy Cavendish (Jim Broadbent) hat Geldprobleme und wird darauf hin von seinem Bruder in ein Altenheim eingesperrt, aus dem er mit Hilfe drei anderer schließlich flieht. 2144: Klon Sonmi~451 bricht aus ihrem Klon-Dasein aus und wird Teil einer Rebellion, die für die Rechte der Klone kämpfen. Und letztendlich im 106. post-apokalyptischen Winter: Eine Botschafterin des Technik-Volkes versucht mit Hilfe eines Inselbewohners (Tom Hanks) den "heiligen Berg" zu erklimmen, auf dem sich eine Kommunikationsstation befindet mit der sie nach Hilfe von außerirdischen Kolonien senden will um die Bewohner der vertrahlten Erde zu retten.

Klingt jetzt erstmal ziemlich wahlos, aber natürlich sind diese Storylines alle miteinander verknüpft. Der Komponist bspw liest während seiner Zeit in Edinburgh das Reisetagebuch Adam Ewings. Luisa Rey trifft Rufus Sixsmith und gelangt so an Frobishers Briefe an ihn; außerdem hört sie das Stück "Cloud Atlas". Cavendish setzt seine Arbeit als Verleger nach der Flucht fort, und verlegt, nachdem er seine eigene Geschichte als Film heraus gebracht hat, ein Buch über den Reaktor-Zwischenfall aus 1973. Der Film wiederum wird von Sonmi in 2144 gesehen und eine Stelle daraus inspiriert sie zur Rebellion, und ihre Person wird von dem Inselvolk in der Zukunft als Göttin verehrt.

Aber der echte Clou kommt erst noch: Diverse Rollen werden von den gleichen Schauspielern gespielt und damit wird quasi impliziert, dass wir alle nicht nur ein Leben leben, sondern viele. Und diese Leben sind alle miteinander verknüpft. So treffen sich bespielsweise Tom Hanks (ua ein Mitarbeiter der Reaktorfirma und der Inselbewohner in der Post-Apokalypse) und Halle Berry (Luisa Rey und die von den Technik-Leuten), usw. Ihr könnt euch das sicher vorstellen.
Der Film spielt also eindeutig mit der ganzen Wiedergeburt-Idee, und auch ein bisschen mit Karma, würde ich sagen, wenn auch in einer abgewandelten Form. Die einzelnen Geschichten sind als solche spannend (und wer mich kennt würd sich auch denken können, welche ich am liebsten mochte. Ratet los, und der Gewinner kriegt einen Keks. Lisa, du zählst nicht, for obvious reasons), auch wenn es das alles schon öfter gegeben hat. Aber so miteinander verknüpft funktioniert es ganz gut, auch wenn man am Anfang eine ganz schöne Zeit braucht, um rein zu kommen. Während des Films, und auch danach, hatte ich das Gefühl, einen wirklich guten Film zu sehen/gesehen zu haben, der auch total eine Bedeutung hatte. Aber so im Nachhinein denke ich mir immer mehr, dass da irgendwas gefehlt hat. Es gab keine ordentliche Erklärung für das Wiedergeburten-Phänomen, aber der Film wirkte trotzdem zu tiefgründig, um einfach nur wahllos ein paar Geschichten erzählen zu wollen (wie bspw New York I Love You). Irgendwas hat mir da gefehlt, und das war sehr frustierend. Vielleicht bin ich aber auch einfach nicht intelligent oder was auch immer genug um das zu verstehen? Mmmh.

Was allerdings ganz besonders beeindruckt hat war das Makeup und die Kostüme. Macht euch ruhig mal die Mühe und schaut auf der imdb-Seite, wie viele verschiedene Rollen gerade Tom Hanks oder Halle Berry spielen. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass man bei den meisten Charakteren zwei bis drei mal hinschauen musste, bevor auffiel, dass das ja schon wieder Hugo Weaving ist, bloß neu verkleidet. Im Abspann wird dann jeder Schauspieler in allen Rollen nochmal gezeigt, und das war ein besonderer Spaß für Katie und mich. "Oh, guck mal, das war er auch! Das auch! Und wow, sogar die Frau!"

Für eine deutsche Produktion jedenfalls war der Film erste Klasse, und ich würde ihn durchaus weiterempfehlen. Man muss eben die Art mögen, und man darf nicht darauf aus sein, einfach sein Hirn auszuschalten und sinnlos irgendwas zu schauen. Oh, und Tom Hanks war gut in allen Rollen, und dabei mag ich ihn nicht mal, das sagt ja auch was aus. Jetzt würde ich gerne noch eine Petition unterzeichnen, diese eine meine lieblings-Storyline mit genau den gleichen Schauspielern als kompletten Film raus zu bringen und ich wäre glücklich.

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