Montag, 5. August 2013

Wolverine - Weg des Kriegers

Wolverine - Weg des Kriegers (2013)
Gesehen am 04. August 2013 im Kino


Jaah, endlich habe ich es ins Kino geschafft und Wolverine gesehen! Ist ja fast peinlich, nachdem er sogar in Deutschland schon über eine Woche draußen ist. Deswegen gehe ich mit Spoilern mal lockerer um, aber Plotrelevante werden definitiv eindeutig gekennzeichnet.

Wolverine – Weg des Kriegers, oder Wolverine vs Ninjas, wie ich ihn lieber nennen würde, begleitet den knurrenden Mutanten mit den eindrucksvollen Koteletten auf eine Reise ins Ferne Japan für den letzten Abschied eines alten Freundes Yashida. Logan wird da in die Fehde Japans mächtigster Familie hineingezogen und ungewollt Beschützer von Mariko, Yashidas Enkeltochter und Erbin eines Milliardenunternehmens, während er nicht nur versucht hinter den wahren Grund der Auseinandersetzungen zu kommen. Konfrontiert mit der Wahl zwischen Unverwundbarkeit und Unsterblichkeit oder dem Verschwinden dieses zweifelhaften Privilegs muss Wolverine vor allem auch für sich selbst einen Grund zum Leben und zum Kämpfen finden.

Zeitlich angesetzt nach X-Men: Der letzte Widerstand hat Logan sich in die nordamerikanischen Wälder zurückgezogen und der Kämpferei abgeschworen. Er hadert noch immer sehr mit dem Tod Jeans und ist emotional in keiner besonders guten Verfassung. Während einer Bar-Kapmf-Szene wird er dann von Yukio aufgegriffen; einer jungen Japanerin, die ihm eine Bitte eines von ihm während des Atombombenangriffs in Nagasaki geretteten Soldaten überbringt: Einmal noch auf Wiedersehen zu sagen. Widerstrebend lässt er sich darauf ein und fliegt mit nach Japan. Von dann an muss er sich mit allerlei Kreaturen herumschlagen: Japanischen Straßen-Mafiosos, mutierten Schlangen-Frauen und Ninjas – denn wenn wir schon eine Superheldengeschichte in Japan erzählen müssen auch Schattenkämpfer dabei sein.


Mit einem zurückgezogenen Wolverine, der sich selbst und seine Motive moralisch in Frage stellt und nach einem Sinn im Leben sucht reiht sich Weg des Kriegers in das Ensemble der zurzeit angesagten Superheldenfilme ein. Wer brauch schon einen Iron Man der wirklich „too cool for school“ ist, oder einen Thor, der quasi verbannt aber dafür trotzdem noch extrem gut gelaunt ist? Nein, wir haben hier eine interessante Mischung aus The Dark Knight Rises und Iron Man 3. Es fehlen die extrem düsteren Sequenzen des Dunklen Ritters; das ständig gequälte Gesicht und die humorlose, eisige Atmosphäre, aber Wolverine hat es, im Gegensatz zu Iron Man 3, geschafft, die schwächere Seite eines coolen Helden glaubhaft darzustellen. SPOILER Zum Beispiel die drei, vier Bettgespräche mit Jean Grey zeigen auf realistische Art und Weise die Vorwürfe, die Logan sich nach wie vor macht, und stechen Tony Starks merkwürdige Fieberträume in Sachen Authentizität allemal aus.
Ein Manko sind allerdings die tatsächliche Storyline und die Gegner, denn spätestens nach Wolverines Ankunft in Japan und Gespräch mit Yashida ist die folgende Geschichte absolut vorhersehbar und der vermeintliche große Twist am Ende extrem offensichtlich. Überhaupt und sowieso ist die gesamte Endsequenz, „Der Finale Kampf“ wenn man es so will, wieder einmal eine Aneinanderreihung merkwürdiger CGI-Effekte; vergleichbar mit Thors Kampf gegen den Destroyer: Irgendwie ein bisschen fehl am Platz.
Weiterhin enttäuscht hat mich das verschenkte Potential der weiblichen Charaktere, von denen es hier sogar ganze vier(!) gibt, die namentlich benannt sind: Mariko, Yukio, die Viper und Jean Grey. Spoiler: Mal abgesehen von Jean, die ja eigentlich tot ist und nur in Logans Fantasie auftaucht, sind alle relativ interessant und irgendwie sympathisch dargestellt (selbstverständlich außer Jean, die nervt), und sowohl Mariko als auch Yukio bekamen eine Hintergrundgeschichte und trugen ihren Teil zu Wolverines Sieg bei, und die Viper war eine giftige Gegenspielerin (pun intended). Umso enttäuschender ist es, dass der Film den Bechdel-Test nicht besteht: Selbst wenn die Frauen mal in einer Szene gemeinsam auftreten und sich unterhalten geht es dabei ausschließlich um Männer, und letztendlich ist ihr einziger Daseinsgrund für Wolverine: Als Jungfrau in Nöten, die gerettet werden muss, als witziger Sidekick  mit eindeutigem Crush, wobei man ihr das nicht verübeln kann!, und als Feind. Absolut austauschbar, und die wirkliche Story spielt sich zwischen Wolverine und Yashida an. Seufz.

Das Beste am Film war ohnehin die Szene nach dem Abspann, da kommt Vorfreude auf! Aber im Großen und Ganzen ist Wolverine – Der Weg des Kriegers ein ganz solider Superheldenfilm, der zwar eindeutig hauptsächlich die Zeit bis zu X-Men: Days Of Future Past im nächsten Mai überbrücken soll, aber trotzdem gut unterhält. Und mal im Ernst: Wolverine ist halt einfach ne coole Socke, da kann man über eine austauschbare Story hinwegsehen.

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